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2017 – Das Jahr, in dem ich zum Grenzgänger wurde

„Zwischen den Jahren“, eigentlich eher zwischen den Feiertagen, wenn die Zeit zu verschwimmen beginnt und man sich ein bisschen so fühlt, als wär man in einem Wattebausch gefangen, in einer Zwischenwelt. Manchmal kann man nicht einmal mehr genau sagen, welcher Wochentag ist, die Tage werden im Schlafanzug und auf der Couch verbracht und es ist fast doppelt so lange dunkel wie hell. In diesen Tagen, die dahin tropfen wie beim Fondue der Käse vom Brot, kommt man nicht umhin, das Jahr Revue passieren zu lassen und noch einmal die schönsten, verrücktesten, wildesten, traurigsten und emotionalsten Momente zu erinnern. Man denkt an alte und neue Freundschaften, gefundene und verlorene Menschen, Freud und Leid.

Mein Jahresrückblick 2017

2017 war für mich in vielerlei Hinsicht das krasseste Jahr, das Jahr der Grenzen. Es begann kugelrund und mit Babyglück. Es war der 14. Januar, es schneite den ganzen Tag und ich wurde, nach einer nicht ganz unkomplizierten Schwangerschaft mit einer wunderbaren und problemlosen Geburt (klar, kein Spaziergang, aber hey, wer erwartet das schon?) und meinem zweiten Sohn belohnt. Die Welt war weiß und gedämpft und ich ganz berauscht und unendlich verknallt. Es folgten vier wunderbare Wattebauschwochen, mein Wochenbett. Ich habe so sehr geliebt, dass mein Herz an seine Grenzen kam und zu platzen drohte, war übermannt von soviel Glück und Gefühl.

Mein Jahresrückblick 2017
Mein Jahresrückblick 2017

Dann wurden die Tage unruhiger, lauter. Was piano begann, mündete in einem furiosen Crescendo. Wir schoben die Gedanken immer wieder zur Seite und wollten es nicht wahr haben, sowas passiert schließlich anderen, aber doch nicht uns. Irgendwann ließ es sich nicht mehr verleugnen und wir mussten hinnehmen, was wir um nichts in der Welt wahrhaben wollten: wir haben wirklich ein Schreibaby. (Ich hasse diesen Begriff von Tag zu Tag mehr, aber nun, er beschreibt die Gegebenheiten wohl ganz gut.)

Mein Jahresrückblick 2017

Wir suchten und suchten, Gorillas im Nebel, rannten von einem Arzt zum nächsten und hörten neben unzähligen „Alles in Ordnung!“s noch etliche „Babys weinen nun mal.“s. Aber wir hatten Glück, denn nach hundert Versuchen landeten wir im Frühjahr bei einem – DEM – Spezialisten, der eine Blockade im Atlas-Gelenks des Babys (allgemein häufig als KiSS Syndrom bezeichnet) diagnostizierte und sie sogar auch lösen konnte. Unser Leben wurde von Tag zu Tag ruhiger und wir begannen, unsere Wunden zu lecken und uns neu zu sortieren.

Mein Jahresrückblick 2017

Etwa zu der Zeit erreichte ich die nächste Grenze, eine, an der ich ziemlich lange rumdümpelte: meine körperliche. Ohne tatsächlich eine „richtige“ Krankheit zu haben war ich kaputt wie noch nie zuvor. Mein ganzes Ich, alles war wund und entzündet, jeder Muskel schmerzte, jeder Mückenstich glich einem Totalausfall. Ich konnte nicht mehr und wollte nicht mehr und und hatte jegliche Kraft verloren. Ich war blass und hungrig, aber irgendwann wurde aus „Kind, du musst doch was essen!“ ein „Hah, ich will jetzt was essen!“ und ich beschloss, etwas zu dafür zu tun. Meine #inunter20 Idee war geboren und mit dem vernünftig(er)en Essen ging es mir langsam wieder besser.

Mein Jahresrückblick 2017

Dann kam der Sommer und ich glaube, er war gut. Dummerweise schwand neben meinem Immunsystem auch meine Erinnerung, so dass die meisten Tage verpixelt sind und die noch vorhandenen Erinnerungen alten, vergilbten Polaroids gleichen. Momentaufnahmen, auf denen vage zu erahnen ist, was geschehen sein könnte.

Mein Jahresrückblick 2017

Die Wochen vergingen und endlich war es soweit, der zweite Part unserer gemeinsamen Elternzeit stand an und damit unsere Traumreise im Wohnmobil. Wir machten unsere Heimat unsicher und verbrachten beinah fünf Wochen auf 12 Quadratmetern. Eine schöne Zeit, schön und intensiv, doch sie endete jäh mit einer neuen Einsicht, die sich wieder nicht länger ignorieren ließ und uns erneut an die Grenzen brachte: Aus unserem Schreibaby war still und heimlich ein 24h-Baby geworden.

Mein Jahresrückblick 2017
Mein Jahresrückblick 2017
Mein Jahresrückblick 2017

Aber wir haben nicht aufgegeben. Wir haben gegen Monster gekämpft und Schlachtpläne geschrieben. Die Tragödie wird zur Komödie und wir lernen ständig dazu. Lernen, schöne Tage zu genießen und vor allem, sie zu sehen, zu schätzen. Mit lauten und anstrengenden Tagen besser umzugehen, zu verstehen und uns besser zu verständigen. Uns selbst dabei nicht aus den Augen zu verlieren, achtsam zu sein und uns zu kümmern. Auch um uns selbst.

Mein Jahresrückblick 2017

Und das ist mein Thema für’s kommende Jahr. Noch ein bisschen besser aufpassen, auf meine Jungs und auf mich. Ich will wieder mehr auf mein Bauchgefühl hören, will achtsam sein und genauer hinsehen. Will, dass wir gemeinsam weiter voran kommen, will wieder in ruhigere Bahnen zurück. Dass muss – und darf – nicht in großen Sprüngen passieren, mit kleinen Schritten kommt man auch ans Ziel. Ein bisschen später vielleicht, dafür aber weniger außer Puste. Das ist der Plan. Und so soll es sein.

Mein Jahresrückblick 2017
Mein Jahresrückblick 2017

Ach 2018, ich freu mich auf dich. Ich wär dann soweit, kannst kommen.

Mein Jahresrückblick 2017

Liebst,

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12 Kommentare

  1. Wichtiges Thema 💔
    Bei @annafiederlingdesign findest Du „Auf der Suche nach Herrn Aronson.“ Sehr schöne Geschichte, wunderbar gezeichnet 🐳

    • Danke dir vielmals, das schau ich mir gerne mal an!

  2. Gemeinsam mit meinen Kindern gehen wir nächste Woche auf eine Beerdigung. Daher suche ich nach hilfreichen Methoden, um ihnen den Umgang mit dem Tod leichter zu machen. Jetzt weiß ich immerhin, dass Bücher dabei helfen, Trauer zu verstehen und daher Fragen beantworten, die man eventuell selber nicht beantworten kann. Ich werde das Buch „Opa, welche Farbe hat der Tod“ kaufen.

  3. Unsere Kinder mussten das erste Mal miterleben wie ein geliebter Mensch von ihnen geht. Es ist gut zu wissen, dass Trauerbücher für Kinder dabei helfen können, mit diesem schwierigen Thema umzugehen. Zeitgleich sind wir noch auf der Suche nach einem zuverlässigen Bestattungsinstitut, das uns in dieser Angelegenheit unterstützt.

  4. Ich bedanke mich für den gut beschriebenen Artikel. Viele Trauerbücher für Kinder habe ich selbst noch gar nicht gekannt. Jetzt bin ich bestens für mein Vorhaben vorbereitet.

  5. Herzlichen Dank für diesen Beitrag. Meine Ehefrau ist vor kurzem gestorben und mein Enkel hat noch Probleme dieses Ereignis zu verstehen. Ich hoffe, dass die Bestattung nach den Vorstellungen meiner Familie umgesetzt wird und dass mein Enkel den Prozess gut verarbeitet.

  6. Hallo,
    vielen lieben Dank euch für diesen großartigen Artikel! Sehr gut recherchiert und informativ. Ich freue mich schon auf weitere Beiträge dieser Art.
    Grüße vom Steffen

  7. Mein Vater ist leider von uns gegangen und da haben die Kinder wirklich viele Fragen. Gut, dass das Buch hier helfen kann. Zum Glück haben wir die Bestattung an ein Unternehmen abgegeben, die uns die Zeit für viele andere Dinge freiräumt. So kann ich mich auf meine Kinder konzentrieren.

  8. Danke für diesen schönen Beitrag. Meine ältere Cousine ist vor einiger Zeit verstorben und ihre Kinder, insbesondere der jüngste Sohn, versteht die Situation noch nicht ganz und hat Probleme sich richtig zu verabschieden. Vielleicht ist eins der Bücher eine gute Hilfe.

  9. Wir planen derzeit eine Trauerfeier, zu der viele Kinder kommen werden. Ich überlege, einige der Bücher an die Eltern zu verteilen, um es einfacher für sie zu machen, die Fragen zu klären. Als Kind muss das Ganze wirklich hart sein, da man es nicht wirklich verstehen kann wie Erwachsene.

  10. Vielen Dank für diesen Artikel zum Umgang mit dem Tod. Gut zu wissen, dass es viele Bücher extra für Kinder zu dem Thema gibt. Der Opa meiner Tochter ist verstorben und neben dem Austausch mit dem Bestatter werden ihr solche Bücher bestimmt helfen.

  11. Vielen Dank für diesen Artikel zu Trauerbüchern. Gut zu wissen, dass es für alle Altersgruppen ein Angebot gibt. Ich werde bald mit meinem Sohn auf zwei Bestattungen gehen und werde ihn mit solchen Büchern etwas darauf vorbereiten.


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