Sei gut zu dir selbst und gib auf dich Acht - Acht Dinge, die dir dabei helfen können

"Das zweite läuft doch ganz nebenbei, das merkste gar nicht." Irgendwie war ich diesem Glauben auch aufgesessen. Denn hey, schließlich war ich ja inzwischen seit zweieinhalb Jahren Mama und relativ routiniert, was das Füttern, Windeln wechseln und wenig schlafen betrifft. Selbst die Sache mit dem Stillen dachte ich diesmal viel besser in den Griff zu bekommen, war ich doch schon einmal zur Profi-Stillerin mutiert. (Dass das nur einer von vielen Irrglauben war, erzähl ich an anderer Stelle mal ausführlich.)

Homeoffice at its best

Jedenfalls machte mich Bébie Numero Zwo nach nur wenigen Wochen mal eben zum Milchmädchen und uns einen fetten Strich durch diese schön zurechtgedachte und total romantische Zweitbaby-Rechnung. Was nach fünf Wochen begann, wurde Tag für Tag deutlicher: Wir haben das, was salopp und gemeinerweise als Schreibaby bezeichnet wird (Die ganze Geschichte gibt es hier.)

Es dauerte gar nicht lange, und wir gingen alle auf dem Zahnfleisch. Beziehungsweise krochen förmlich dahin. Ich war erschöpft und ausgelaugt, wenig Schlaf und das Dauerstillen forderten ihren Tribut. Dazu kam, dass ich einfach nicht die Zeit fand, die Energie, die ich an anderer Stelle verbrauchte, auch nur ansatzweise wieder aufzuladen. Meine Akkus waren leer und mein Körper ließ mich das spüren. Mein Immunsystem war im Keller und ich sackte mir alles auf, was ich so finden konnte. Es begann damit, dass ich entsetzlich matt war und ständig schlecht gelaunt. Meine Erkältung wurde ich einfach nicht los, ich hatte Fieber und Schüttelfrost und fühlte mich nur noch mieserabel. Doch es kam noch dicker. Alles an meinem Körper entzündete sich, denn mein Immunsystem schaffte es inzwischen nicht mal mehr, die Viren und Bakterien, die normalerweise zu unserer Hautflora gehören, im Zaum zu halten. Ich verlor Haare, einen Fingernagel und mindestens die Hälfte meiner Nerven.

Ich hatte keine Kraft, vor allem aber keine Lust mehr. 


Ich beschloss, etwas dagegen zu unternehmen bzw. alles dafür zu tun, dass sich mein Zustand wieder ein bisschen bessert. Um unser neues Leben stemmen zu können, musste ich fit sein und Kraft haben. Ich wollte da sein für meine zwei Jungs und das ging nicht, wenn ich einfach so weiter machte wie bisher. Also überlegte ich mir, was ich auch im kleinen Rahmen ändern kann, um mich wieder ein bisschen aufzumöbeln und diese anspruchsvollen Zeiten besser meistern zu können.

1) Besser essen

Wahrscheinlich kennst du das auch. Die Minuten, Stunden und Tage verfliegen nur so. Zack, ist es wieder Abend und alles, was man an dem Tag zu sich genommen hat, sind drei pappige Kekse, eine halbe Tüte Chips und ein kalter Kaffee. Da isses ja eigentlich nicht verwunderlich, dass das Immunsystem irgendwann alle Viere hochreißt. Der Körper braucht Energie, und zwar vernünftige und idealerweise nachhaltige. Ich versuche also inzwischen, wenigstens einmal am Tag frisch, gesund, abwechslungsreich und ausgewogen zu essen. An besseren Tagen sogar warm. So bin ich auf die Idee von #inunter20 gekommen. #inunter20, das sind Gerichte, die hauptsächlich aus frischen Zutaten bestehen und sich in maximal 20 Minuten zubereiten lassen. Das schafft man auch mit dem Baby in der Trage. Ich mach das jetzt schon seit einem halben  Jahr und merke, dass es mir damit deutlich besser geht. Hier geht es zu den Gerichten, die ich schon ausprobiert habe.

2) Schlafen, wann immer es geht

Schlafen wie ein Baby, hahaha, ja, das klingt so gut. Aber hat da auch mal einer drüber nachgedacht? Zumindest unser Bébie schläft nämlich eher schlecht als recht. Maximal anderthalb Stunden am Stück, das aber auch nur, wenn ich daneben liege und unsere Körper sich berühren. Auch tagsüber. Und genau das nutze ich für mich jetzt aus. Ich liege ja eh daneben, also mache ich die Augen mit zu. Ich versuche, mindestens ein Tagschläfchen mitzunehmen oder mich wenigstens ein bisschen auszuruhen. Auch, wenn ich nicht immer auf der Stelle einschlafen kann (Wär ich doch abends im Bett nur einmal so müde wie morgens, wenn ich aufstehen soll!), einfach ein bisschen liegen und vielleicht ein Buch lesen, Instagram durchscrollen oder ein Hörspiel hören hilft auch schon, ein bisschen Kraft zu tanken.

3) Hilfe suchen, Hilfe annehmen

Natürlich will man das alles am liebsten selber schaffen, hey, schließlich wollte man ja zwei (drei, vier, x) Kinder. Jetzt bloß keine Schwäche zeigen und hübsch den Schein waren. Denkst du auch? Alles Quatsch. Im Gegenteil. Egal ob Eltern, Schwiegereltern, Nachbarn oder Freunde - nimm alle Hilfe an, die du bekommen kannst. Jemand will für dich kochen? Toll! Dir was vom Einkaufen mitbringen? Super! Das/die große/n Kind/er aus der Kita oder Schule holen und den Nachmittag über betreuen? Nur zu! Deine (Groß-)Eltern oder Nachbarn wollen mit dem/r Neuen ein Ründchen im Kinderwagen drehen?  Auf geht's! Und wenn du das Glück leider nicht hast, Bekannte oder Freunde in der Nähe zu haben, die dich unterstützen und ein bisschen der Last abnehmen können, dann such dir welche. Klar ist das erst mal noch ein zusätzlicher Aufwand, aber versprochen, das ist es wert. Vielleicht kennt jemand im Umfeld einen Teenie, der sich mit einem Spaziergang ein paar Kröten dazuverdienen mag. Und hast du eigentlich schon mal von Wellcome gehört? Ich habe diese Unterstützung in Anspruch genommen und dadurch seit nunmehr etwa 6 Monaten wöchentliche Entlastung durch einen Wellcome-Engel. Ich bin so dankbar dafür!

4) #gönndir: Kleine Auszeiten in den Alltag einbauen

Nicht selten verging der Tag, ohne dass ich es geschafft habe, zu duschen. Zähne putzen, das klappte meistens, mal in Ruhe aufs Klo (Jaja, ich weiß, darüber redet man nicht. Dann tut einfach so, als hättet ihr das nicht gelesen.) klappte fast nie. Aber so unvorstellbar es auch ist, es liegt nur an dir, dir diese kleinen Auszeiten zu nehmen. Und in den meisten Fällen kann das auch klappen. Nutz die Zeit, wenn dein/e Partner/in da ist. Er/sie kann das das Baby auch schuckeln. Hier war es dann zwar meist wieder lauter (weil das Baby mit meinem Mann nicht so einverstanden war wie mit mir und meckerte oder der Mann wild durch's Wohnzimmer galoppierte, um so das Weinen einigermaßen abzustellen), aber es hat mir immerhin zu einer Dusche und ein paar Minuten "me time" verholfen. Ohren zu und ab dafür. Eine heiße Dusche wirkt Wunder und man fühlt sich gleich deutlich besser. So frisch ist der Rest des Abends dann meistens besser zu schaffen. Oder zumindest besser duftend.

5) Frische Luft und Bewegung

Wenn du das Glück hast, dass dein Baby in der Trage oder besser noch im Kinderwagen schläft, dann kannst du diese Zeit auch nutzen, dich und deinen Kopf ein bisschen durchzulüften. Statt dich Zuhause darüber zu ärgern, dass das Baby mal wieder nur ein Blitznickerchen hält, dreh einfach ein paar Runden um den Block/See/Spielplatz oder was auch immer bei dir in der Nähe ist. (Trage nicht vergessen, wenn du mit dem Kinderwagen los ziehst!) Etwas Bewegung und ein bisschen frische Luft helfen, um dem Alltagstrott zu entfliehen und verhindern, dass dir Zuhause die Decke auf den Kopf fällt. Außerdem hat man das danach das gute Gefühl, wenigstens etwas geschafft zu haben. Vielleicht kannst du dich auch verabreden mit einer Mama aus dem Geburtsvorbereitungs- oder Rückbildungskurs, zusammen ist man weniger allein (und kann sich auch mal so richtig schön auskotzen. Wirkt manchmal ja auch wahre Wunder.)

6) Schöne Momente bewusst genießen und kleine Fortschritte wertschätzen

Auch, wenn es im Moment äußerst schwer fällt, sie zu sehen - sie sind da, die schönen Momente! Mach dir das bewusst und schau mal genauer hin. Hat das Baby dich nicht direkt nach dem Aufwachen angelächelt? Streckt es inzwischen schon die Ärmchen nach dir aus und hört auf zu schluchzen, wenn du es hochhebst? Oder hat es heute nicht auch mal ein paar Minuten gedankenverloren mit dem Kochlöffel und der Plastikflasche gespielt, selbst wenn es dabei auf deinem Schoß saß? Sicher, solche Momente reichen lange nicht aus, um auf der Stelle zu regenerieren, aber sie zeigen einem, dass es das alles Wert ist. Ernsthaft: Halte durch! Auch, wenn es den jeweiligen Moment nicht leichter macht, zu wissen, dass alles nur eine Phase ist und es langsam, aber sicher voran geht, ist doch irgendwie tröstlich.

7) Gleich und gleich gesellt sich gern

Sich mit jemandem austauschen zu können, dem es gleich oder zumindest ähnlich geht, hilft ungemein. Verstanden zu werden und auch mal klar und ehrlich sagen zu können, dass eben nicht alles immer nur rosarot und glitzernd ist, tut nicht nur gut, sondern ist meiner Meinung nach bitter nötig. Es ist wie Balsam für die Seele, die ganze Verzweiflung und vielleicht auch Wut mal rauslassen zu können, einfach mal Tacheles zu reden. Und wenn jemand das gleiche durchgemacht hat, dann versteht er nicht nur genau, wie es dir geht, sondern hat vielleicht auch noch ein, zwei Tipps parat, die dir helfen können.

8) Mal Fünfe gerade sein lassen

Klar ist es schöner, wenn die Wohnung blitzt und blinkt, das Haus saisonadäquat dekoriert ist, man durch die Fenster sogar das Draußen erkennen kann und die Wäscheberge stets zeitnah weggewaschen werden. Aber mal ehrlich, ist es so schlimm, wenn mal ein bisschen was liegenbleibt? Sicher geht das nicht immer und irgendwann sind die Schlüppis nun mal alle, aber dann mach eben nur das Nötigste und lass die Kür weg. Besser noch, mach einfach mal gar nichts, wenn du dir ein bisschen Freiraum erschaufeln konntest, leg dich auf die Couch, die Beine hoch und ruh dich aus. Lass einfach mal Fünfe gerade sein, schnapp dir meinetwegen auch 'n Knoppers und hol erstmal Luft.

Und denk immer dran: Nur, wenn du gut in Schuss bist, kannst du auch für dein/e Kind/er funktionieren. Es nützt niemandem, wenn du immer nur zurücksteckst und langsam vor die Hunde gehst. Achte auf dich und sei gut zu dir selbst, der Rest kommt dann schon irgendwann von allein.


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