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Too stressed to be blessed – Wann fängt bloß das Genießen an?
Ich glaube das ehrlichste, mutigste und vielleicht auch traurigste, was ich jemals zugegeben habe ist, dass ich jetzt erst anfange, meine beiden Kinder so richtig zu genießen. Versteht mich nicht falsch, natürlich liebte ich unseren Jüngsten, seitdem ich von ihm wusste und an manchen Tagen sogar so sehr, dass es beinah schon weh tut. Unser Leben zu viert aber habe ich bislang weitestgehend als sauanstrengend, kräftezehrend und zermürbend empfunden (kann Spuren von schön enthalten). Hand aufs Herz: Der Hashtag #tooblessedtobestressed war für mich vor allem eins – falschrum.

Es liegt nicht an dir, es liegt an mir.

An den Jungs liegt das nicht und schon gar nicht am Kleinen. Niemand kann etwas dafür, dass er solche Schwierigkeiten hatte, sich in dieser Welt einzufinden. Sein Weinen war – und ist noch immer – die einzige Möglichkeit, mir etwas mitzuteilen, mir Bescheid zu sagen, dass es ihm nicht gut geht. Dass sich etwas ändern soll. Dass irgendwas so dermaßen zwickt und zwackt, dass er es fast nicht aushalten kann. Dass ich das nach Nächten mit nur sehr wenig Schlaf nicht gut ertragen kann, ist wohl maximal verständlich und minimal bewusst verschuldet. (Und während ich das hier schreibe, vermisse ich ihn schon wieder. Klar, er ist ja auch schon seit 13 Minuten weg. Tze, Mütter, ey.)

Du bist es nicht, es bin allein ich.

Je lauter unsere Tage waren, desto schneller waren unsere Akkus alle. Unserer aller Akkus, die mit den Energiereserven, aber auch der Aufmerksamkeitsakku und der mit Kuscheleinheiten und Mamanähe drin. Und das schlimmstenfalls gleichzeitig. Je mehr ich damit beschäftigt war, dem Kleinen hopswackelnd Trost zu spenden, desto mehr brauchte mich auch der Große für all seine „Mama kuck, was ich schon kann“s und die „Kannst du mir bitte vorlesen“s. Ich hasste es, ihn wieder und wieder vertrösten zu müssen und bei jedem „Jetzt nicht, du siehst doch, ich kann gerade nicht“ brach mein Herz ein bisschen mehr. Klar hatte er nur eine Möglichkeit – er musste mir beweisen, wie ernst die Lage ist, wie sehr auch er mich noch braucht und das bitte ganz dringend und am liebsten auf der Stelle. Außergewöhnliche Situationen erfordern außergewöhnliche Maßnahmen, und wenn es ihm durch bitten und fragen nicht gelang, auch mal ein bisschen Mama abzubekommen, griff er eben zu härteren Waffen. Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt und spätestens, wenn man die Wände anmalt, ist Mama auch wieder ganz Ohr.

The days are long, but the years are short.

So gingen die Tage ins Land, einer wieder andere, alle sehr gleich. Alle sehr austauschbar, alle – zumindest was die Details angeht – fast vergessen. In ein paar Tagen wird das Baby schon 11 Monate alt, noch drei Wimpernschläge mehr und wir feiern seinen ersten Geburtstag.
Aber die Wogen haben sich geglättet und es ist, zusammen mit dem ersten Schnee, etwas Ruhe eingekehrt. Aus dem so unglücklichen Nesthäkchen ist ein fröhliches, abenteuerlustiges Krabbelkind geworden, dass es inzwischen auch durch Gebärden schafft, mir mitzuteilen, was es braucht. Es entdeckt seine, unsere Welt, spielt und beobachtet. Es vergöttert seinen großen Bruder, der sich wirklich rührend um ihn sorgt und mir bleibt Zeit zum Verschnaufen. Endlich mal durchatmen, ein und wieder aus, ganz in Ruhe und mit einem Lächeln.

Glück verdoppelt sich, wenn man es teilt. Liebe potenziert sich.

Und diese Momente, in denen mein Herz überläuft vor Glück und Liebe und Dankbarkeit, sie häufen sich enorm. Wir, zu dritt oder am Wochenende zu viert, auf dem bunten Teppich im Kinderzimmer. Zwei puzzeln, schieben Autos durch kleine Fantasiewelten oder lesen, zwei bauen Türmchen, erfühlen Gegenstände oder tanzen. In wechselnder Besetzung. Manchmal jeder für sich, manchmal alle gemeinsam. Es ist ein schönes Bild, was ich da seh, und es macht so Lust auf mehr.

Aufräumzeit, es ist soweit. Aufräumen, aufräumen!

Es sind noch nicht alle Wunden verheilt, der Rücken ächzt und  ein paar Pflaster kleben noch. Schlaflose Monate zollen Tribut, ein überanstrengter Körper braucht Zeit zum Erholen. Die kleinen Risse im Herzen, sie schließen sich wieder und ich bin sicher, dass die Zeit zum wiederholten Male alle Wunden heilt. Auch diesmal wieder und der Schorf ist schon da. Sprichwörtlich nur, aber ich kann ihn fast fühlen. Wahrscheinlich wird er noch ein paar Mal aufreißen, dann ziept es bestimmt, das ist mir klar. Aber früher oder später wird er abfallen, irgendwann sogar ganz. Und ich hab das Gefühl, dass das gar nicht mehr lange dauern wird.

Liebst,

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Oh hi, Depression – eine Diagnose kommt selten allein

Oh hi, Depression – eine Diagnose kommt selten allein

Da steht sie plötzlich, schwarz und fett auf einem blassrosa Papier, die Tinte ein bisschen verschwommen. Eine Abkürzung, die mir die Tränen in die Augen schießen lässt – genau jetzt und unzählige Male in der letzten Zeit, immer wieder, ungebremst rückwärts bergab und keine Chance, die Bremse zu ziehen.

F32.2 steht da nun, der ICD-10 Code für „schwere depressive Episode“. Schwarz. Und fett. Auf blassrosa Papier. Die Tinte ein bisschen verschwommen. Wie das, was F32.2 mit mir macht. Der Grund dafür, dass ich mich in den letzten Wochen so elend fühlte. Und gleichermaßen die Erklärung, warum ich zu kraft- und machtlos war, auch nur ansatzweise etwas dagegen zu tun. „Die schlechte Laune“ in den Griff zu bekommen, mich mal „n bisschen zusammenzureißen“. Hab an mir gezweifelt, bin an mir verzweifelt und hab einfach immer noch ein bisschen mehr gegeben. Hab mich infrage gestellt, mir mein Empfinden verboten und mich selbst verloren zwischen „Lächel doch mal, ist doch halb so wild“!, „Läuft doch bei dir, du hast, was du brauchst!“ und „Glaub ich nicht, du bist doch fröhlich und stark“.

Ich hab’s ja nicht mal gemerkt. Hab’s nicht gesehen, nicht hingeschaut. War zwar hart gestresst und irre erschöpft, aber zugeben? Niemals. Ich doch nicht, ich muss funktionieren. Ist doch halb so wild, ich hab doch, was ich brauche. Vielleicht fiel mir das Aufstehen schwer, noch ein kleines bisschen schwerer als sonst. Und das Anfangen, das Dranbleiben. Das Aufhören? Erst recht. Und das Gefühl? War zu gewohnt, ein alter Bekannter, schon oft zu Besuch. Also Tunnelblick-Modus, mit Scheuklappen auf. Weil, mit Augen zu, ist das Monster doch weg?

Nun, ist es nicht, ob ich will oder nicht, sitzt groß und schwer auf meiner Brust. Lässt mich nicht atmen, lähmt mich, erdrückt mich förmlich mit seiner Last. 

Doch ich hab’s jetzt entdeckt, sein Versteck ist bekannt. Ich hab’s ausgehoben, das Biest erkennbar gemacht. Ich kenne seinen Namen, seine Gestalt, seinen Plan. Und den werde ich durchkreuzen, irgendwann. Nicht heute und nicht morgen, aber dass, das ist klar. Und irgendwann bin ich dann wieder da. Und was mich trägt, ist die Hoffnung darauf. Ich bin zwar gefallen, doch ich steh wieder auf.

Liebst,

It's okay to be not okay. Ok. I am not.

It's okay to be not okay. Ok. I am not.

It’s okay to be not okay.
Ok. I am not.

Das Meer ist ganz ruhig, ganz glitzernd und spiegelt, es schwimmt sich ganz easy, routiniert geht’s voran.

Von Strömungen, die sich da langsam aufbauen und heimlich ganz stark werden, merkt man vorerst nichts. Nur vielleicht, dass man plötzlich ein bisschen mehr Kraft braucht, um das Tempo zu halten, das man sonst von sich kennt.

Man kommt weiter gut vorwärts, glaubt: Man, ach, das geht schon! Denn irgendwie geht es ja weiter voran. „Ich stell mich nur an grad, ich bin einfach müde, dann geht es heute eben bisschen früher ins Bett.“

Dass die Strömungen inzwischen Strudel wurden, die alles gierig und stark alles in den Abgrund ziehen, die reißen und tosen, die wüten und rauschen, das bleibt verborgen, das sieht man schlicht nicht.

Man schwimmt einfach weiter, mehr Kraft noch, das geht schon, das Meer scheint doch ruhig und der Himmel noch blau. Doch der Strudel, der wildert beharrlich nach unten, mehr Kraft noch, mehr Sog folgt, dann zu viel und zu laut.

Bis man – viel zu spät dann – endlich realisiert, dass gar nichts mehr rund läuft und man nicht mehr kann.

Blöd nur, dass die Kraft da schon lang nicht mehr ausreicht, um zurück zu kommen und nicht unterzugehen.


Warum ich das schreibe, das öffentlich mache? 
Weil ich nicht okay bin.
Und das ist okay.

Und weil’s mir so schwerfällt, darüber zu sprechen, weil ich das schlichtweg einfach (noch) nicht so gut kann. Doch es musste mal raus jetzt und es scheint so viel leichter, die Worte zu schreiben, die ich nicht aussprechen kann. Sie mir einzugestehen und sie mir zu erlauben, das ist ein Anfang. Der Weg ist lang, doch das Ziel ist das Ziel. Und wenn ich da ankommen, dann will ich wieder ich sein. Und wieder ich werden? Da arbeite ich jetzt dran.

Liebst,

Auch das noch: Ich hab AD(H)S als Erwachsene

Auch das noch: Ich hab AD(H)S als Erwachsene

Keine Ahnung, ob du es vielleicht schon bei Instagram verfolgt hattest oder ob das hier jetzt komplett neu ist: Ich habe AD(H)S, das erst kürzlich bei mir diagnostiziert wurde.. Ein bisschen was habe ich schon dazu erzählt und geschrieben, aber irgendwie ist das nicht nur ein Thema für Instagram, sondern auch für hier  und ich glaube, deswegen werde ich jetzt nach und nach auch auf meinem Blog darüber schreiben. 

Pünktlich zum Mental Health Day am 10. Oktober war es jedenfalls so weit: Wochenlang hatte ich überlegt, ob ich in der Öffentlichkeit überhaupt darüber sprechen möchte, und plötzlich war es ganz klar: Die Zeit des Versteckens muss vorbei sein, wir müssen über Dinge sprechen, wenn wir sie ändern, wenn wir sie enttabuisieren wollen. 

Seit immer schon versuche ich, meine „Schwächen“ zu verstecken, meine „Makel“ und Eigenschaften, die ich mir immer weggewünscht habe und ständig versucht, zu maskieren. Ich hab weder über den Burnout gesprochen, der mich vor etwa 10 Jahren in die Knie zwang, noch über die Therapien, die ich gemacht habe, geschweige denn von all den anderen Dämonen, mit denen ich hin und wieder kämpfe.

Und auch meine neuste „Errungenschaft“, AD(H)S – spätdiagnostiziert im Erwachsenenalter – wollte ich erst weder wahrhaben noch darüber reden. Ich weiß seit einer kleinen Weile, dass ich ADHS habe. Irrsinnig viel erklärt sich dadurch, und dennoch ist es noch schwer zu fassen. Ich stehe am Anfang, aber ich bin auf dem Weg. Und ich werde drüber sprechen. Weil endlich Schluss sein muss mit dem Maskieren – und zwar in jegliche Richtung.

Und jetzt entschuldige mich, mein Mutausbruch macht mir Angst, ich muss mir mal kurz die Decke über den Kopf ziehen. 🙈

Falls du jetzt aber Lust  bekommen hast, mehr darüber zu hören, dann here some good news. Wir haben für den Mamsterrad-Podcast mit den AD(H)S-Expertinnen Dr. Ismene Ditrich, Fachärztin für Psychologie und Psychiatrie, und Dr. Christa Koentges, Psychologin und Psychotherapeutin, über AD(H)S im Erwachsenenalter und insbesondere bei Frauen gesprochen. Die ganze Podcastfolge gibt es hier:

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Weitere Informationen

Wenn dich das Thema „AD(H)S im Erwachsenenalter“ interessiert, habe ich hier noch ein paar wirklich tolle Buchtitpps für dich:

„Die Welt der Frauen und Mädchen mit AD(H)S“

Frauen und Mädchen mit AD(H)S erhalten viel seltener eine Diagnose als Männer und Jungen, denn ihre Symptome fallen weniger stark auf: Betroffene Frauen und Mädchen sind weniger hyperaktiv, dafür verträumt, unaufmerksam und vergesslich. Die zu späte oder fehlende Diagnose kann weitreichende Folgen haben: Der Leidensdruck bleibt meist über Jahrzehnte bestehen, schadet ihrem Selbstwertgefühl und zieht Folgeerkrankungen nach sich.

Die vier Expertinnen der Freiburger Arbeitsgruppe AD(H)S leisten in diesem Buch wichtige Aufklärungsarbeit für Frauen mit AD(H)S sowie für Eltern betroffener Mädchen. Mit vielen Einblicken aus der Forschung, Fallgeschichten, Reflexionen und Übungen zur Selbsthilfe zeigen sie konkrete Wege auf, wie Betroffene mit ihrer Besonderheit Frieden schließen, ihre vielen Stärken entdecken und gut mit AD(H)S leben können.

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„Hirngespinste: Mein Leben mit ADHS“

Sätze wie „Ein bisschen ADHS hat doch jeder.“, „ADHS gibt es doch gar nicht.“ oder „ADHS haben doch nur kleine Jungs.“ gehören für Lisa Vogel zum Alltag. Wie es ist, als erwachsene Frau mit ADHS zu leben, welchen Vorurteilen man ausgesetzt ist und was im Alltag hilft, davon handelt dieses Buch.

Lisa räumt mit Mythen rund um die Stoffwechselstörung im Gehirn auf. Denn nicht jede/r mit ADHS ist ein zappeliges Kind, schlecht in der Schule oder auffällig im Erwachsenenalter. Mit ihrer späten Diagnose begann ihre Reise zu sich selbst, aus der ihr Wunsch erwuchs, andere auf dieser Reise zu begleiten, ihnen Verständnis zu schenken und sie vor Selbstzweifeln zu schützen.

Aktuelle Erkenntnisse und Studien zum Thema ADHS bei Erwachsenen runden das Buch ab.

BUCH…

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